Wie Ihr sicher wisst, ist unser Bildungssystem ziemlich scheiße. Wir, die Grüne Jugend Hagen, wollen uns damit nicht abfinden. Wir vertreten den Standpunkt, dass es in unserer Welt schon genug Scheiße gibt, wie z.B. genmanipulierte Lebensmittel oder ganz einfach die Wörtliche. Wir wünschen uns eine Welt, in der Bildung nicht mehr damit assoziiert werden muss. Wir brauchen viel mehr Bildung und weniger Scheiße in unserem Land. Für ein starkes NRW. Wir haben die Kraft. Packen wir’s an. Viele von uns haben keine Allgemeinbildung. Die Frage, die wir als Betroffene uns am drängendsten und häufigsten stellen, ist das Was-soll-denn-die-Scheiße, ugs. „Warum“. Deshalb haben wir uns auf der Suche nach einer Antwort als Grüne Jugend formiert und am Mittwoch auf den Weg zum Bildungsstreik in Düsseldorf gemacht, bewaffnet mit einem unserer Fragestellung entsprechenden Banner, und einer Grüne-Jugend-Fahne, wo halt dieser eine Igel da drauf ist, von der Grünen Jugend der. Wir erlangten Präsenz, indem wir uns als vorderste bannerhochhaltende Fraktion behaupteten, sodass manche sicher dachten wir wären sogar zu fünft oder sechst, wenn nicht gar zu noch mehreren (z.b. zu siebent), wir waren aber nur zu viert. Gar gab es muntere unter den anderem Streikenden, die, was die Scheiße solle, als Parole anstimmten, wenn auch nicht im korrekten trochäischen, sondern jambischen Versmaß, dennoch waren wir mit Freude dabei, und auch ein kleines bisschen stolz.
Anschließend riefen ein paar linke Jugendliche, die sich über die Grünen schwarz ärgerten, dazu auf, die Landeszentrale der Grünen zu stürmen, was uns als Grünjugendliche dazu ermutigte, zumindest beobachtenderweise dabei zu sein. Die Geschäftsführerin des Landesverbandes, Sabine Brauer, stellte sich den Fragen der aufgebrachten Menge, etwa „Macht Ihr’s denn mit jedem?“, Fragen, die unserem Was-soll-denn-die-Scheiße ein gewisses Verhältnisniveau zuerkannten, und gab aus unserer Sicht leider dennoch viel zu unklare Antworten, aber das machte prinzipiell nichts, denn außer uns hatte ihr sowieso niemand zugehört. Dennoch bewies sie ihre affektive Neutralität, als sie mir im Anschluss Zugang zur Landestoilette gewährte.
Ach ja, und ein paar Polizisten waren auch da, teils nette, aufgeschlossene Leute, der eine hat nur immer total grimmig geguckt.
Tjaja, so war das, und gestern haben wir uns dann in unserer regulären Sitzung nochmal gesondert über unsere über das Scheißefinden hinausgehend dezidierte Attitüde unterhalten. Attitüdendezidierenderweise empfanden wir geschlossen die Scheiße von wegen G8 und so dementsprechend, auch wegen des höheren Leistungsdrucks. Kritischer mussten wir Themen beleuchten wie die Idee der Gemeinschaftsschule, doch fanden auch hier schlussendlich einen Konsenz, nämlich jenen, dass diese soziale Ungleichheiten mittels Osmose reduzieren kann, da die osmotische Eigenschaft hilft, gewisse Stoffe durch die Membran zu befördern, wie z.B. Sonstrealschüler auf Gymnasialniveau, deshalb ein Ja für die Gemeinschaftsschule und ein Ja zur Osmose. Auch der Ethikunterricht als sachlicher Ersatz theologischer Dogmen beispielsweise würde eine religiöse Osmose erzeugen.
Achja, und die Studiengebühren sind natürlich generell doof, ist klar, wenn nicht sogar scheiße, aber unter den Voraussetzungen, diese direkt in Bildung und nicht Verwaltung o.Ä. zu investieren, und von der Absolutabsurdität zu einem Stufen- oder Rampenmodell der Beitragsbemessung zu wechseln, könnten wir uns damit anfreunden, und mal was zusammen trinken, wenn Studiengebühren sowas machen würden.
Unsere basisdemokratische Basisdemokratie ließ uns dann schließlich noch genug Raum, bei für uns sehr kritischen Themen wie der Ganztagsschule und dem System Bachelor-/Masterstudiengang einen Konsenz auszulassen oder zumindest zu vertagen.